Weihnachtsjause aus Omas Kochbuch, Graz 1947

Adventskalender - Tag 20

Meinen heutigen Beitrag verdanken wir der Mitschrift meiner Oma1, die sie während dem Kochkurs bei Mater Johanna Rindler angefertigt hat. Am 20. Dezember 1947, in der letzten Einheit vor Weihnachten, beschäftigten sie sich u.a. mit der Weihnachtsjause, also einem kalten "Menü" für Heiligabend. Groß aufgekocht wurde an Heiligabend nicht, auf den Tisch kam eine schöne Festtagsjause. Mater Johanna schreibt dazu in ihrem Kochbuch "Den Höhepunkt des Weihnachtsfestes bildet unzweifelhaft der Christtag selbst. Der Heilige Abend ist sein stimmungsvoller Vorklang. Friede, Freude, Liebe und Gelöstheit der Seele, alles was wir von dem sich immer wieder für uns erneuernden Weihnachtsgeschehen erwartet, kommt an ihm zu einem einmaligen, innigen und deshalb verhaltenen Ausdruck und ist überstrahlt vom stillen Glanz des Christbaumes. In diese Stimmung muß sich auch einfügen, was die geübten Hände der Hausfrau für das leibliche Ergötzen bereiten. Es wäre nicht entsprechend, an diesem einzigartigen Abend des Jahres ein schweres Festtagsmahl zu bringen. Dies bleibt dem folgenden Tag vorbehalten.2"




Die Weihnachtsjause aus Omas Kochbuch besteht aus Tee, belegten Brötchen, Glühwein und "Früchtenbrot". Die passende Tischdekoration fand ich ebenfalls im Kochbuch von Mater Johanna: "Den Tisch decken wir weiß und legen als Tischschmuck kleine Tannenzweige und zu jedem Gedeck einen hübschen Kerzenhalter aus weiß gespritztem Lebkuchen mit kleinen weißen Kerzen. Das Gedeck besteht aus einem Teller, rechts davon die Gabel (eventuell Fischbesteck), links eine hübsche Weihnachtsserviette; rechts oberhalb eine Teeschale mit Untertasse und Löffel.2"
Kerzenhalter aus Lebkuchenteig? Das musste ich natürlich ausprobieren. Also wurde das Menü um ein weiteres Rezept erweitert und kleine Kerzenhalter aus Lebkuchen gebacken, die gemeinsam mit kleinen Tannzweigerln einen herrlich weihnachtlichen Tischschmuck bildeten ❤







Kerzenständer aus Lebkuchen

Für die Kerzenständer benötigt man nicht den ganzen Lebkuchenteig. Aus dem restlichen Teig habe ich einfach verschiedene Formen ausgestochen und für die Keksdose gebacken und verziert. Tipp: Ein kleines Tannenzweigerl und schön verzierte Lebkuchenherzen mit der Aufschrift "Frohes Fest" sehen nicht nur als Tischschmuck, sondern auch als Geschenkanhänger sehr hübsch aus!

400 g Roggenmehl
1 TL Hirschhornsalz
1/2 TL Zimt
2 gestoßene Gewürznelken
Zitronen- und Orangenschale
1 TL Kakaopulver
1 Ei
150 g Staubzucker
1 EL Rum
2 EL Blütenhonig

1 Ei zum Bestreichen

1 Eiklar
250 g Staubzucker

Kleine Bienenwachskerzen

Backrohr auf 180°C vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen. Roggenmehl mit Hirschhornsalz, Zimt, Gewürznelken, geriebener Zitronen- und Orangenschale und Kakaopulver vermengen. Ei mit Staubzucker cremig rühren und Rum und Blütenhonig unterrühren. Mit den restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Teig ausrollen, Formen ausstechen, auf das vorbereitete Blech legen, mit verquirltem Ei bestreichen und bei 180°C etwa 15 Minuten backen. Auskühlen lassen.

Eiklar mit Staubzucker zu einer schönen Glasur verrühren. Masse in kleine Spritzsäcke oder Stanitzel aus Backpapier füllen und die Lebkuchen damit verzieren. Auch die Kerzen lassen sich damit aufkleben. Trocknen lassen.





Belegte Brötchen

Für belegte Brötchen braucht es wohl kein genaues Rezept. Scheiben von Sandwichwecken werden nach Lust und Laune belegt: Wurst, Schinken, Salami, Käse, Essiggurken, hartgekochte Eier, Tomaten, Petersilie, usw. In dem Buch von Mater Johanna werden die Brötchen vor dem Belegen mit Sardellenbutter bestrichen. Dafür einfach flaumiggerührte Butter mit etwas Sardellenpasta vermischen. 





Früchtebrot

Laut Omas Kochbuch wird der Germteig noch in einer Mürbteighülle eingeschlagen. Beim Backen hält diese dem treibenden Germteig aber einfach nicht Stand und reißt daher meist unschön auf. Daher habe ich mich diesmal entschieden, die Mürbteighülle einfach wegzulassen. Falls ihr euch daran trauen möchtet, findet ihr das Rezept dafür hier: Früchtebrot

100 g getrocknete Früchte (Kletzen, Zwetschken, ...)
150 ml Wasser

40 g Rosinen
2 EL Rum

250 g Mehl
10 g Germ
20 g Kristallzucker
1 Prise Salz
50 g grob gehackte Nüsse
Zitronen- und Orangenschale

60 g Butter zum Bestreichen
Staubzucker zum Bestreuen

Die getrockneten Früchte über Nacht in Wasser und Rosinen in Rum einweichen. Wasser und Rum nicht wegschütten; beides wird später zum Kneten des Teiges verwendet.

Germ in etwas lauwarmen Wasser auflösen. Etwas vom Mehl einrühren, mit etwas Mehl bestreuen und das Dampfl zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen.

Früchte grob schneiden und mitsamt dem Wasser, den Rumrosinen, Kristallzucker, Salz, grob gehackten Nüssen, etwas geriebener Zitronen- und Orangenschale, Kristallzucker, Salz, Zitronen- und Orangenschale zum restlichen Mehl geben und zu einem festen Teig verarbeiten und gut durchkneten. Für mehrere Stunden an einem nicht zu warmen Ort gehen lassen. Teig nochmals durchkneten, zu einem länglichen Laib formen, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und nochmals gut gehen lassen.

Backrohr auf 180°C vorheizen. Butter bei schwacher Hitze schmelzen lassen. Das Früchtebrot mit etwa der Hälfte der geschmolzenen Butter bestreichen und bei 180°C etwa 40 Minuten backen. Aus dem Backrohr nehmen und noch heiß mit der restlichen geschmolzenen Butter bestreichen und sofort mit Staubzucker bestreuen. Auskühlen lassen.

 


Glühwein

250 ml Wasser
100 g Kristallzucker
1 Zimtrinde
3 Gewürznelken
500 ml Rotwein

Wasser mit Kristallzucker, Zimtrinden und Gewürznelken kurz köcheln lassen. Rotwein zugeben, noch einmal kurz aufkochen lassen und genießen.



1 Weitere Infos und nachgekochte Rezepte aus Omas Kochbuch findet ihr hier
2 "Mein grosses Kochbuch - Ein Kochlehrbuch für die moderne Hausfrau mit 6 Farbtafeln und 69 Schwarzweiß-Bildern" von Mater Johanna Rindler, Verlag Styria, Graz 1954. Seite 280: Weihnachten

Kommentare

  1. Der Kochkurs für solche Köstlichkeiten war für die karge Nachkriegszeit sicher etwas ganz Besonderes! Deine Kerzenhalter sehen soo süß aus, ich glaube, ich muss doch noch einen Lebkuchenteig rühren!!
    lg

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    1. Meine Oma war immer stolz, dass sie diesen Kochkurs besucht hat. Hat aber auch immer erzählt, dass sie Lebensmittel vom landwirtschaftlichen Familienbetrieb dorthin mitbrachte, mit denen dann gekocht wurde...

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