"An excellent Trifle" nach Maria Eliza Rundell, London 1807

Adventskalender - Tag 16

Mittlerweile ist es schon fast eine liebgewonnene Tradition, dass es am 16. Dezember auf meinem Blog ein Rezept mit Bezug zu Jane Austen gibt. Immerhin wurde die britische Schriftstellerin an diesem Tag geboren und als großem Fan ihrer Werke ist das für mich natürlich ein Grund ihren Geburtstag auch kulinarisch zu feiern. Diesmal fiel meine Wahl auf ein Trifle, eine englische Süßspeise, die aus mehreren Schichten wie Biskuits oder Kuchen, Obst oder Marmelade und Creme besteht und sich perfekt als weihnachtliches Dessert eignet. Das Rezept dafür fand ich im Kochbuch "A new system of domestic cookery1" von Maria Eliza Rundell, das 1807 vom selben Verleger herausgegeben wurde, der auch vier Werke von Jane Austen veröffentlicht hat. Somit gibt uns das Kochbuch einen guten Einblick, was Anfang des 19. Jahrhunderts in England und somit wahrscheinlich auch von Jane Austen und ihrer Familie gegessen wurde.





Seite 189: An excellent Trifle2
Digitized by Michigan State University Libraries
Wie in alten Kochbüchern nicht unüblich ist das Rezept eher eine grobe Beschreibung ohne genaue Mengenangaben, was das Nachkochen für mich nur noch interessanter machte. Das "exzellente Trifle" besteht aus vier Schichten: zwei Arten Gebäck, Creme, Himbeermarmelade und obenauf noch eine Baiserhaube. Besonders interessant fand ich die erste Schicht: zwei verschiedene Bäckereien, die die selben Zutaten beinhalten, aber anders zubereitet werden: für die Macaroons wird Eiklar erst steifgeschlagen und die restlichen Zutaten untergehoben, für die "Ratafia-Drops" werden die Zutaten einfach miteinander verrührt und daraus kleine Kugeln geformt. Obwohl die Zutaten gleich sind, schmecken sie doch tatsächlich leicht unterschiedlich! Oder jedenfalls bilden wir uns das ein 😉
Durch die Zubereitung der verschiedenen Bäckereien und Schichten ist das Trifle wahrlich kein schnelles Rezept, sondern benötigt einiges an Arbeit und Zeit. Das macht sich aber spätestens bezahlt, wenn man sich dann endlich mit einem Löffel durch die Schichten "arbeiten" darf, das Trifle schmeckt wirklich großartig! Vor allem, wenn man es auch noch einen Tag ziehen lässt. Maria Eliza Rundell schreibt: "If made the day before used, it has quite a different taste, and is solid and far better.2"



Trifle

Macaroons
1 Eiklar
30 g Kristallzucker
60 g geriebene Mandeln
50 g Staubzucker
Orangenschale

Ratafia-Drops
150 g geriebene Mandeln
200 g Staubzucker
1 Eiklar

125 ml Strohwein (oder Beerenauslese)

Baiserhaube
2 Eiklar
100 g Staubzucker
Zitronenschale
1 TL Strohwein (oder Beerenauslese)

Creme
5 Dotter
80 g Staubzucker
500 ml Milch
1 Msp. Zimt
Zitronenschale
40 g Reismehl

1 kleines Glas Himbeermarmelade

Für die Macaroons Eiklar steifschlagen und dabei den Kristallzucker einrieseln lassen. Geriebene Mandeln, Staubzucker und etwas geriebene Orangenschale unterheben. Mit einem Spritzsack gleichmäßige Tupfen auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen und etwa 30 Minuten rasten lassen. Backrohr auf 130°C vorheizen. Macaroons bei 130° etwa 15 Minuten backen und am Backblech auskühlen lassen.

Backrohr auf 150°C vorheizen. Für die Ratafia-Drops geriebene Mandeln, Staubzucker und Eiklar vermengen, daraus kleine Kugerln formen und diese auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Bei 150°C etwa 12 Minuten backen.

Bevor es ans Befüllen der Schüssel geht, diese mit der Oberkante nach unten auf einen Bogen Backpapier legen, rundherum abzeichnen und auf ein Backblech legen. So bekommt die Baiserhaube später die richtige Größe!

Macaroons und Ratafia-Drops vermischen und die Schüssel mit zwei bis drei Schichten davon befüllen (und die restlichen Bäckereien kommen in die Keksdose). Mit dem Strohwein übergießen und warten, bis die Flüssigkeit komplett von den Bäckereien aufgesogen wurde.

Für die Baiserhaube Eiklar steifschlagen, dabei den Staubzucker langsam einrieseln lassen. Etwas geriebene Zitronenschale und den Strohwein unterheben. Innerhalb des vorgezeichneten Kreises am Backpapier ungleichmäßig verstreichen und eventuell auch einzelne Spitzen nach oben ziehen. Bei 100°C etwa 2 Stunden backen bzw. trocknen lassen.

Für die Creme Dotter mit Staubzucker sehr cremig rühren. Reismehl unterrühren. Milch mit Zimt und etwas geriebener Zitronenschale erhitzen. Unter ständigem Rühren langsam zur Dottercreme gießen. Die Masse zurück in den Topf gießen und bei schwacher Hitze und ständigem Rühren kurz eindicken lassen. Über die Bäckereien in die Schüssel gießen und glattstreichen. Auskühlen lassen.

Creme mit Himbeermarmelade bestreichen und die ausgekühlte Baiserhaube vorsichtig daraufsetzen. Ziehen lassen.








1 "A New System of Domestic Cookery; former upon Principles of Economy, And adapted to the Use of Private Families. By a Lady. A new edition, corrected." von Maria Eliza Rundell, Printed for John Murray, London 1807, digitized by Michigan State University Libraries (weitere Infos und nachgekochte Rezepte findet ihr hier)
2 Seite 189: An Excellent Trifle

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