Weihnachtsmenü 1847

Adventskalender Tag 24

Als Abschluss meines diesjährigen Adventskalenders möchte ich Euch ein Weihnachtsmenü aus dem Jahr 1847 zeigen. Im amerikanischen Kochbuch "The Lady's Receipt-Book. A Useful Companion for Large or Small Families" von Eliza Leslie findet man mehrere Menüvorschläge für das Weihnachtsessen: vom einfachen Weihnachtsmenü für Familien bis zum riesigen Gesellschaftsdinner.
Der Vergleich der verschiedenen Menüvorschläge ist vor allem wegen der unterschiedlichen Beilagen interessant. Während die "einfachen" Menüvorschläge als Beilage verschiedene Rüben und Kürbis zeigen, gibt es nur beim großen Gesellschaftsdinner für Weihnachten auch Kartoffeln als Beilage. Wenn man bedenkt, dass das Kochbuch im Jahr 1847 veröffentlicht wurde, wird auch schnell klar, warum die Knolle nur bei besonderen Ereignissen am Teller landet. Die Kartoffelfäule und die daraus resultierende Missernten machen die Kartoffel in den 1840ern zu einer Kostbarkeit - und damit wertvoll genug um bei einem gesellschaftlichen Ereignis serviert zu werden.

Das große Gesellschaftsdinner für Weihnachten hört sich zwar überaus verlockend an, aber für dieses Menü bräuchte ich eine riesige Küche, noch mehr Töpfe und Pfannen, unzählige Küchengehilfen und überaus hungrige Gäste:

  • Schildkrötensuppe
  • Geschmorter Fisch
  • Gebratener Schinken
  • Gebratener Hirschrücken mit Johannisbeer-Gelee
  • Gekochter Truthahn mit Austernsauce
  • Gänsebraten mit Apfel-Sauce 
  • Französischer Austern Pie
  • Hühnerfrikassee
  • Kartoffelschnee
  • Pastinaken
  • Rüben
  • Winterkürbis 
  • Kalter Krautsalat 
  • Plumpudding
  • Mince Pies 
  • Orangentarte
  • Kokosnußpudding
  • Spanischer Pudding
  • Apfel-Gelee 
  • und Vanille-Eis

Noch zwei zusätzliche Gerichte oder Saucen und ich könnte allein mit diesem Menü einen eigenen Adventskalender füllen!!!  
Daher habe ich mich für ein anderes Weihnachtsmenü aus dem Buch entschieden: dem einfachen Weihnachtsmenü für Familien mit gefülltem Truthahn, gekochtem Schinken, Preiselbeeren, Rüben, Winterkürbis und als Dessert Mince Pies. 

Die Rezepte stammen allerdings nicht aus dem oben genannten Kochbuch, da dort kaum Beilagenrezepte o.ä. zu finden sind. Um die einzelnen Speisen trotzdem so auf den Teller zu zaubern wie das damals üblich war, habe ich mich in letzter Zeit durch einige Kochbücher aus den 1840ern gewühlt und dabei viele Anregungen und Ideen für unser Weihnachtsmenü gefunden:

Gefüllter Truthahn: Die Zubereitung von Truthahn hat sich seit damals nicht groß verändert; verändert hat sich nur die Beschreibung in den Kochbüchern. Findet man in den Kochbüchern von heute "nur" das Rezept wie der Truthahn gefüllt und gebraten werden soll, gibt es in Kochbüchern aus dem 19. Jahrhundert meistens auch eine detaillierte Beschreibung wie der Truthahn geschlachtet und für das Festmahl vorbereitet wird!

Preiselbeersauce: Traditionell wird damals wie heute einfaches Preiselbeergelee zum Truthahn serviert. Mein Rezept unten zeigt eine moderne Variante!

Weiße Rüben: Rüben waren für unsere Vorfahren eine typische Mahlzeit. Erst mit der Kartoffel wurde die weiße Rübe nach und nach vom Teller verdrängt. Dabei sind die Zubereitungsmöglichkeiten wie auch bei der Kartoffel beinah unbegrenzt. Als Beilage kann man die Rübe eingebrannt (Rezept unten), in Form von Püree, Auflauf oder als Pie servieren.

Winterkürbis: Winterkürbis bezeichnet den ausgereiften und eingelagerten Kürbis. Häufig wird der Kürbis geschält, ausgehöhlt, in große Stücke geschnitten, in Salzwasser gekocht und mit Salz und Butter serviert. Auch in Form von Püree (Rezept unten), Auflauf oder Pudding wird Kürbis zum Truthahn serviert. Übrigens wird im Kochbuch "Miss Beecher´s Domestic Receipt Book" von Catharine Esther Beecher aus dem Jahr 1846 bei einem Kürbisrezept erwähnt, dass das Kochwasser von Kürbis nicht weggeschüttet werden soll, weil man damit ausgezeichnetes Brot bäckt!!!

Weitere mögliche Beilagen:
  • Kartoffeln: als Bratkartoffeln, Püree, Auflauf, Pudding, ...
  • Topinambur / Erdartischocke / Jerusalem-Artischocke: in Salzwasser gekocht und mit Butter serviert, eingebrannt wie Rüben oder auch als Püree
  • Pastinaken: eingebrannt wie Rüben, gebraten, als Püree oder Salat
  • Rohnen / Rote Rüben: als Sauce oder Salat. Rohnen werden im Ganzen mit der Schale gekocht, weil sie sonst die Farbe verlieren!
  • Zuckerrüben: eingebrannt wie Rüben oder als Püree. Auch Zuckerrüben müssen mit der Schale gekocht werden, da sie sonst ihren süßen Geschmack verlieren! Für mein Weihnachtsmenü wollte ich unbedingt Zuckerrüben als Beilage servieren, war aber leider zu spät dran um noch welche zu ergattern. Mein Zuckerrüben-Experiment wird aber garantiert nachgeholt :-)

Mince Pies: Dieser süßen Köstlichkeit habe ich bereits einen eigenen Blogeintrag gewidmet --> hier geht es zum Rezept

Nun darf aber endlich gekocht werden. Hier sind meine Rezepte für unseren kulinarischen Ausflug in das Jahr 1847:

Gefüllter Truthahn

1 Truthahn (ca. 4 kg)
Salz, Pfeffer
1/2 l Suppe

200 g Semmelwürfel
80 g Butter
100 ml Milch
1 Ei
2 EL Mehl
Salz, Pfeffer

80 g Butter
1 TL Honig

Küchenspagat zum Binden

Für die Fülle Butter und Milch erhitzen und über die Semmelwürfel gießen. Verquirltes Ei, Mehl, Salz und Pfeffer zugeben, alles gut vermengen und etwa 30 Minuten durchziehen lassen.

Backrohr auf 160°C vorheizen. Truthahn innen und außen großzügig salzen und pfeffern und mit Semmelmasse füllen. Die restliche Fülle in eine kleine bebutterte Auflaufform füllen und beiseite stellen. Truthahn mit Spagat zubinden. Flügel und Keulen auch mit Spagat eng an den Truthahn binden. Truthahn in eine befettete große Form oder ein tiefes Blech legen, mit Suppe übergießen und 4 Stunden garen (pro Kilo rechnet man mit einer Stunde Garzeit). Dabei immer wieder mit der Suppe übergießen.

Butter mit Honig schmelzen, Truthahn damit bestreichen und weitere 20 Minuten braten. Truthahn aus dem Backrohr nehmen, mit Backpapier bedecken und für 20 Minuten rasten lassen. Die restliche Fülle mit etwas Bratensaft übergießen und bei 180°C etwa 20 Minuten backen.


Preiselbeersauce

200 g Preiselbeergelee
1 EL Orangensaft
1 TL scharfer Senf
20-40 ml Portwein

Preiselbeergelee mit Orangensaft und Senf etwa 5 Minuten köcheln lassen. Nach Geschmack Portwein zugießen und abkühlen lassen.


Eingebrannte Rüben

600 g weiße Rüben
1 EL Butter
1 EL Mehl
250 ml Wasser
100 ml Schlagobers
1 TL Kristallzucker
Salz, Pfeffer

Rüben schälen, in kleine Würfel schneiden und in etwas Salzwasser weichkochen. Butter erhitzen und Mehl darin kurz anrösten. Mit Wasser und Schlagobers aufgießen, versprudeln und bei schwacher Hitze eindicken lassen. Rüben zugeben und kurz köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.


Kürbispüree

800 g Kürbisfruchtfleisch
150 ml Schlagobers 
30 g Butter
Salz, Pfeffer

Butter zum Befetten 

Kürbisfruchtfleisch in kleine Würfel schneiden und in Salzwasser weichkochen. Kürbis abgießen und grob zerstampfen. Auflaufform mit Butter befetten und den grob zerstampften Kürbis einfüllen. Schlagobers mit Salz und Pfeffer verrühren und über den Kürbis gießen. Butter in kleine Würfelchen schneiden, gleichmäßig auf dem Kürbis verteilen und bei 180°C etwa 20 Minuten überbacken.


rechts Mitte: "The Lady´s Receipt Book; A Useful Companion For Large Or Small Families"
von Eliza Leslie, published by Carey and Hart, Philadelphia 1847;
digitized by Michigan State University Libraries;
Seite 377: Plain Dinner for Winter, Christmas Dinner, New Year´s Dinner


Nun bleibt mir nur noch zu hoffen, dass Euch mein diesjähriger Adventskalender gefallen hat.Ich wünsche Euch und Euren Familien ein wunderschönes und ruhiges Weihnachtsfest!

Weihnachtliche Grüße, Julia



Kommentare

  1. Deine Rezepte sind immer wieder eine Bereicherung für interessierte Hobby-Köche. Vielen Dank.
    Das letzte Bild ist absolut einer anderen Epoche entsprungen. Ihr müßt in euer Ahnenreihe echte Doppelgänger haben.

    Frohe Weihnachten

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  2. meine güte, was für ein reichtum an mühen und spass und was für eine bereicherung. war heute das erste mal hier.ich wünsche feierliche frohe weihnacht und guten appetit.bin ab jetzt leserin beider seiten blogs.herzlich ute

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  3. Schön und lecker war´s!!! Danke, Julchen, für die Einladung!!
    Wenn wir nächstes Jahr wieder eingeladen werden, dann singen wir auch mehr Weihnachtslieder für euch! ;-)

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  4. Danke Euch!

    @Eva: Das war ganz bestimmt nicht das letzte Menü aus dieser Zeit. Ich koche viel zu gern mit viktorianischer Schürze ;-)

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  5. Ich bin ja ganz begeistert! Nicht nur, dass du gerne historische Gerichte kochst, nein, du nähst auch noch so tolle Kleider aus dieser Zeit! Was für ein spannendes Hobby! Wielange machst du das denn schon und wie kamst du dazu? Würde mich sehr interessieren.

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    1. Begonnen hat eigentlich alles mit Fasching. Wir hatten vor 9 Jahren (WOW, so lange ist das schon her *schock*) als Faschingsthema "Ritter der Tafelrunde". Auf der Suche nach passenden Schnittmustern habe ich eben nicht nur mittelalterliche sondern auch viele viele Schnittmuster für andere Epochen gefunden. Und die Kostümsucht nahm ihren Lauf ;-)

      Richtig intensiv wurde das Hobby vor drei Jahren. Damals haben wir uns entschieden nach England zum Jane Austen Festival zu reisen. Und seit 2009 sind wir auch regelmäßig im Freilichtmuseum Stübing. Eine Übersicht über unsere bisherige "Taten" mit vielen vielen vielen vielen Fotos findest Du auf unserer Website http://www.kleidertruhe.at!

      Dass ich meine beiden großen Hobbies Nähen und Kochen miteinander kombinieren kann, finde ich im Moment total spannend. Mittlerweile habe ich eine laaaange Liste von weiteren Menüideen mit zugehörigen Nähprojekten ;-)

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  6. Das find ich wirklich großartig, vor allem, weil die genähten Sachen ja irre aufwändig sind und so super aussehen! Ich schau sicher noch öfter in eurer Kleidertruhe vorbei ;-)

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