"Die gute bürgerliche Küche" von Johann Rottenhöfer

Die gute bürgerliche Küche in allen ihren Theilen. 
Ein auf langjährige Erfahrungen gegründetes praktisches Handbuch. 
Den Frauen, Töchtern und Köchinen 
gewidmet von J. Rottenhöfer, 
erster Mundkoch Sr. Majestät des Königs Maximilian II. von Bayern, 
Verlag von Braun & Schneider, München ~1860



Johann Rottenhöfer (1806-1872), Haushofmeister und Koch von König Maximilian II. und König Ludwig II. von Bayern, sammelte während seiner Tätigkeit als Koch zahlreiche Rezepte und veröffentlichte diese 1858 in seinem ersten Kochbuch "Neue vollständige theoretisch-praktische Anweisung in der feinen Kochkunst mit besonderer Berücksichtigung der herrschaftlichen und bürgerlichen Küche". Um 1860 folgte das Kochbuch "Die gute bürgerliche Küche":

"Aufgemuntert durch den schnellen Absatz der 5000 Exemplare starken Auflage meines ersten Werkes über die höhere Kochkunst, habe ich mich entschlossen, um auch den Wünschen der Hausfrauen ec. ec. gerecht zu werden, ein Buch für die gute bürgerliche Küche zu schreiben, und es der Oeffentlichkeit zu übergeben, mit dem Wunsche, daß dasselbe freundliche Aufnahme finden möge. [...] Ich lege nun der Frauenwelt diese meine langjährigen gemachten Erfahrungen in der angenehmen Hoffnung vor, daß dieses Buch für die bürgerliche Küche, ebenso freundliche Aufnahme finden möchte, wie mein erstes Werk für die höhere Kochkunst, welches sowohl im In- wie im Auslande, mit großem Beifall aufgenommen wurde."

Dank dem Flohmarktfund von Eva befindet sich dieses Buch nun in meinem Besitz (Danke!). Über 150 Jahre hat das Buch schon auf seinem (Buch-)Rücken und ist somit das älteste Buch in meiner historischen Kochbuchsammlung.



   
Brühen, Suppen, Saucen, Farcen, Füllungen, Hors d'oeuvres, Fleischspeisen, Gemüse- und Kräutergerichte, Pasteten, Eierspeisen, Salat, Mehlspeisen, Aufläufe, Puddings, Cremes, Sulzen, Zuckerglasuren, Torten, Obstkuchen, Backwerke, Compots, Gefrorenes, Kaltschalen, Getränke, eingemachte Früchte - mit 1.354 Rezepten ist das Buch eine wahre Fundgrube für kulinarische Zeitreisen in die viktorianische Zeit!
Als Lesezeichen hat das Buch mehrere Seidenbändchen, die über die Jahre nur noch ein Hauch von Seide geworden sind. Da heißt es wirklich: vooooorsichtig angreifen ;-)


  
Außerdem gibt es auch interessante Kapitel, u.a. über die "zweckmäßige nöthige Einrichtungen der bürgerlichen Küche". Die seitenlange Liste der verschiedenen Küchenutensilien, die eine bürgerliche Küche haben sollte, ist wirklich beeindruckend.
Richtig interessant finde ich die Übersicht über die verschiedenen Flüssigkeitsmaße und Gewichte in Europa. Da das Buch noch vor der Vereinheitlichung erschienen ist, findet man hier Mengenangaben wie bayrisches Maß, hannoverische Kanne, preußisches Quart, Loth und viele mehr. Unglaublich spannend! Das bedeutet aber auch, dass das Nachkochen aus dem Buch mit einem vorherigen Umrechnen der alten Gewichts- und Flüssigkeitsmaße verbunden ist :-)



 
Scheinbar hat sich auch eine meiner Vorbesitzerinnen schon mit den Umrechnungen beschäftigt. Auf der Innenseite des Umschlags stehen die wichtigsten Umrechnungen von Loth auf Dekagramm.


   
Auf der Umschlagseite konnte ich auch noch eine weitere Schrift entdecken. Sehr klein und beinahe schon verblasst wurde nach der Fotobearbeitung folgende Schrift sichtbar: "1. August 1866. From dear Mama, To become a good housekeeper." Vielleicht sogar von der Erstbesitzerin? ♥


   
Bisher nachgekochte Rezepte:
Kaiser-Biscuits
Vanille-Sterne

Menü im Dezember:
- Nudelsuppe mit Huhn
- Englischer Braten
- Rouletten vom Wirsching
- Fleckelpastete
- Poularde gebraten mit Salat
- Biscuitpudding mit Rum