Flohmarktfunde

Bei meinem letzten Flohmarktbesuch hatte ich unglaubliches Glück. Nicht nur, dass ich endlich den perfekten Kochtopf für mein "Experiment Kochkiste" finden konnte; auch ein Kochbuch nach dem anderen ging in meinen Besitz über:

"Mein Kochbuch. Nach langjähriger praktischer Erfahrung für die bürgerliche und feine Küche" von Lotti Richter; 4. Auflage, Verlag von Ulrich Mosers Buchhandlung, Graz 1917

Von der Autorin Lotti Richter habe ich bis zu diesem Buch noch nie gehört oder gelesen. Aus der Einleitung ihres Kochbuches geht hervor, dass sie als Tochter eines erzbischöflichen Güterdirektors geboren wurde und dass ihre Mutter in der Grazer Stadtpfarrei kochen gelernt hatte. Von ihr hat sie scheinbar auch die Liebe zum Kochen und die nötigen Grundkenntnisse geerbt. Ansonsten kann ich Euch leider nichts von der Autorin berichten, denn ich kann leider einfach nichts über sie finden :-(

Das Kochbuch selbst ist eine wahre Fundgrube für Rezepte und beinhaltet auch Schablonen für den "Aufputz der Torten". Neben Menüs für "festliche Tafeln" zeigt das Buch auch "Speisezettel für besondere Festtage" und ein komplettes Jahresmenü für den wohlhabenden Mittelstand, denn der "weniger gut situierte Mittelstand hat bei der Zusammenstellung seiner Menus vor allem seine Börse zu Rate zu ziehen." :-) 

Bei der Kochkunst-Ausstellung in Wien 1899 wurde Lotti Richters Buch mit der "großen Medaille mit der goldenen Palme" ausgezeichnet.






"Die praktische Wiener Küche. Universal-Kochbuch für den besseren Bürgerstand. Eine vollständige Sammlung von erprobten Kochrecepten für den einfachsten wie für den reichsten Haushalt. Anleitung zur Erlernung des Kochens und Servirens, zur Bereitung von Dunstobst und Getränken nebst einem Küchenzettel für alle Tage des Jahres." von Anna Strobl; Josef Rubinsteins Verlag, Wien-Leipzig, ohne Jahresangabe (ca. 1920)

Wie bei Lotti Richter kann ich auch über die Autorin dieses Kochbuchs einfach nichts finden! Falls also jemand meiner Leser irgendwelche Informationen zu Lotti Richter oder Anna Strobl hat, würde ich mich sehr über einen Kommentar oder eine Nachricht freuen!

Das Kochbuch ist nicht nur voll von zahlreichen Rezepten sondern auch gespickt mit vielen schönen Zeichnungen. Bei den festlichen Menüs findet man sogar Speisekarten zum Nachzeichnen (siehe Foto). Auch eine Erklärung der "wichtigsten specifisch österreichischen (wienerischen) Ausdrücke" kann man in Anna Strobls Werk finden. Scheinbar hatte auch sie mit Übersetzungsproblemen ihrer LeserInnen zu kämpfen ;-)






"Mein grosses Kochbuch. Ein Kochlehrbuch für die moderne Hausfrau mit 6 Farbtafeln und 69 Schwarzweiß-Bildern" von Mater Johanna Rindler, Verlag Styria, Graz 1954

Von der Autorin dieses Kochbuchs weiß ich einiges, immerhin hat meine Oma bei Mater Johanna Rindler einen Kochkurs besucht und viel und gerne davon erzählt. Eigentlich befindet sich bereits eine Ausgabe von 1960 in meinem Besitz. Aber diese Erstausgabe war einfach viel zu schön um sie dort zwischen den anderen Büchern liegen zu lassen *seufz*






"Die Österreichische Küche - Eine Sammlung selbsterprobter Kochrezepte für den einfachsten und den feinsten Haushalt nebst Anleitungen zur Erlernung der Kochkunst" von Marie von Rokitansky (Weis, Edle von Ostborn); Edlinger Verlag, Wien 1918

Es wäre interessant zu wissen, wieviele der Rezepte von Frau Baronin Marie von Rokitansky tatsächlich selbst erprobt wurden. Aber angeblich hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Damen das Kochen beizubringen: "Die zur Führung eines Haushaltes notwendigen Kenntnisse sollen jedem Mädchen - sei es arm oder reich, wird es durch Verheiratung  in kleine oder große Verhältnisse versetzt - geläufig sein. Sie umfassen die Kochkunst, die Fertigkeit in allen weiblichen Handarbeiten, die Fähigkeit, die häusliche Ordnung und Reinlichkeit aufrecht zu erhalten und nicht zuletzt die richtige Sparsamkeit. Ohne diese Kenntnisse ist der gewiß schöne und lohnende Beruf als Hausfrau, die einen so großen Einfluß auf das Behagen der ganzen Familie ausübt, nicht zu erfüllen."

Das Kochbuch wurde bei der Kochkunst-Ausstellung Wien 1899 "mit der großen Medaille mit der Goldpalme" und Paris 1900 "mit der goldenen Medaille" prämiert.

Besonders spannend an diesem Kochbuch ist, dass mein Ur-Ur-Großvater Johann Pillner einem Friedrich Karl Freiherr von Rokitansky (1866-1942) im Jahr 1902 ein Grundstück abgekauft hat. Meinen Recherchen zufolge ist dieser der Neffe der Kochbuchautorin. Die Welt ist ein Dorf. Heute wie damals :-)




Schirmbrief aus dem Besitz meiner Familie: "Kauf- und Verkauf-Vertrag verabredet und geschlossen
zwischen Herrn Friedrich Karl Freiherr von Rokitansky, Gutsbesitzer am Spielerhof in Grambach
bei Graz als Verkäufer einerseits und Johann und Theresia Pillner, Grundbesitzer vlgo
Fleischhacker in Engelsdorf als Käufer andererseits [...]"
, Graz am 1. Jänner 1902

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