Family Dinner 1807

Für einen gemütlichen Damenabend mit Tee und Nähnadel wollte ich ein passendes Abendessen zaubern und so darf ich Euch heute zu einer weiteren kulinarischen Zeitreise einladen :-)

Das Menü dafür stammt aus dem britischen Kochbuch "A New System of Domestic Cookery" von Maria Eliza Rundell aus dem Jahr 1807; das erste "Family Dinner" zeigt ein "einfaches" Menü mit fünf Speisen:


aus "A new system of domestic cookery" by a lady (Maria Eliza Rundell),
printed for John Murray, London 1807, digitized by Michigan State University Libraries

Aus heutiger Sicht dürfte es Euch vielleicht komisch vorkommen, dass zwischen den Fleischspeisen eine Süßspeise zu finden ist. Während heute einzelne Speisen und Gerichte hintereinander gereicht bzw. eingestellt werden, so war es um 1800 üblich, alle Speisen auf Platten bzw. in Schüsseln auf den Tisch zu stellen und jeder konnte sich davon nehmen; eventuell auch aufgeteilt auf zwei Gänge (Service à la francaise).

Gegessen wurde das Dinner bereits nachmittags bzw. am frühen Abend; in der Stadt oder in vornehmen Kreisen auch später. Jane Austen schreibt in einem Brief an ihre Schwester Cassandra: "We dine now at half after Three, and have done dinner I suppose before you begin. We drink tea at half after six. I am afraid you will despise us." (Brief von ihrem Elternhaus in Steventon zum Herrenhaus ihres Bruders Edward Knight in Kent, 19. Dezember 1798)
Tee und eventuell auch Kuchen, kalte Köstlichkeiten oder einfach nur Brot und Butter wurden erst nach dem Dinner im Drawing Room gereicht. Den typischen Afternoon Tea - wie wir ihn heute kennen - wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts "modern". Zu diesem Thema aber ein andermal mehr, jetzt wird gekocht :-)

Wie in alten Kochbüchern üblich sind die Rezepte zu den einzelnen Speisen eher eine "grobe Beschreibung". Zum Beispiel lautet das Rezept für das gebratene Schweinskarree: "Loin and Neck of Pork: Roast them. Cut the skin of the loin across, at distences of half an inch, with a sharp pen-knife." Weitere Details zu Gewürzen, usw. fehlen gänzlich! Daher sind meine Rezepte auch nur in Anlehnung an die Gerichte nach Maria Eliza Rundell zu verstehen :-)


Geschmortes Kalbfleisch mit Erbsen und Gurken

50 g Butter
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
700 g Kalbfleisch
2 EL Mehl
300 ml Weißwein
250 g Erbsen
2 kleine Gurken
1/4 l Schlagobers
Salz, Pfeffer
etwas Minze

Zwiebel und Knoblauch fein hacken und in Butter braun rösten. Kalbfleisch grobwürfelig schneiden, zugeben und kurz anrösten. Mit Mehl stauben und durchrösten. Weißwein zugießen, Temperatur reduzieren und bei schwacher Hitze etwa eine halbe Stunde dünsten lassen. Gurken schälen, Kerne entfernen und feinwürfelig schneiden. Erbsen, Gurken und Schlagobers zugeben und eine weitere Stunde dünsten lassen. Eventuell etwas Wasser zugießen. Mit Salz, Pfeffer und feingehackter Minze abschmecken.
Geschmortes Kalbfleisch auf einer Platte in einem Ring von gedünstetem Reis anrichten.


Apfelmus als Beilage zu Fleisch

4 Äpfel
50 g Butter
2 EL brauner Zucker

Äpfel schälen, entkernen und klein schneiden. Mit etwa 2 Eßlöffel Wasser dünsten. Sobald die Äpfel gar sind, fein zerstampfen und mit Butter und braunem Zucker verrühren. Abkühlen lassen.


Bread-and-Butter-Pudding

150 g Weißbrot
30-50 g Butter
Rosinen
Zitronenschale
250 ml Milch oder auch Vanillesauce
2 Eier
1 Schuß Rum
etwas Neugewürz

Auflaufform mit Butter befetten. Brot in dünne Scheiben schneiden und mit Butter bestreichen. Jede Scheibe mit einigen Rosinen und etwas geriebener Zitronenschale bestreuen und in die Form schlichten. Milch mit den Eier, etwas geriebenem Piment und Rum verquirlen. Über das geschlichtete Brot gießen und etwa eine halbe Stunde aufsaugen lassen. Bread-and-Butter Pudding bei 180°C etwa 40-50 Minuten backen.


Gekochte Kartoffeln

Beilagenkartoffeln gekocht nach der "Anleitung" von Maria Eliza Rundell:

Kartoffeln mit der Schale mit kaltem Wasser zustellen. Sobald die Kartoffeln etwa halbgar sind, etwas Salz und kaltes Wasser zugießen, erneut aufkochen lassen. Kochen, bis die Kartoffeln fast gar sind. Wasser abgießen, Tuch über den Topf legen und den Deckel daraufsetzen. Kartoffeln am Herdrand fertiggaren lassen. Kartoffeln noch heiß schälen: "Potatoes look best when the skin is peeled, not cut." Kartoffeln mit Butterstückchen belegen und mit Salz und Pfeffer würzen.



Gebratenes Schweinskarree

1 kg Schweinskarree mit Schwarte
4 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
3 EL Öl
100 ml Weißwein
100 ml Suppe oder Wasser

Schwarte mit einem scharfen Messer einschneiden. Knoblach pressen und das Fleisch rundum damit einreiben bzw. mit Salz und Pfeffer würzen. Öl erhitzen und das Fleisch mit der Schwarte nach unten einlegen. Sobald die Schwarte schön goldbraun gebraten ist, auch die anderen Seiten anbraten. Bratrückstand mit Weißwein und Suppe aufgießen. Braten mit der Schwarte nach oben unter mehrmaligem Begießen bei niedriger Temperatur 140-150°C etwa 2 Stunden braten. Vor dem Schneiden kurz rasten lassen.

Übrigens hat der "Österreicher in mir" ganz stark damit gekämpft, das Karree zusätzlich mit Kümmel zu würzen ;-)



Kommentare

  1. Ich kann nur sagen: YAMMI!!!
    Danke für die Einladung, Julchen!

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    1. Bitte gerne! Können wir gerne mal wiederholen. Menüvorschläge gibt es in dem Kochbuch ja genug :-)

      Liebe Grüße, Julia

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  2. Oh WOW! Genialst! Das schaut extrem gut aus! (Die "groben Beschreibungen" der Rezepte kommen mir bekannt vor - meine Oma gibt alle Rezepte so weiter *seufz*)

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    1. Bei alten Rezepten braucht man halt einfach Experimentierlaune :-D

      Liebe Grüße, Julia

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